Mit dem Fahrrad auf Usedim
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Mit dem Fahrrad auf der Sonneninsel Usedom

Es kann nur eine geben, dachte ich zunächst. Denn für einen Sylt-Fan gibt es ja eigentlich nur „DIE Insel“. Aber irgendwann nach einem Beitrag im Fernsehen wurde die Idee geboren, den Sommerurlaub mit dem Wohnmobil in Polen zu verbringen. Und da bietet es sich einfach an, auf der Ostseeinsel Usedom Station zu machen.

Die Steilküste bei Loddon
Die Steilküste bei Loddin

Die Ostsee ist nach Meinung meines Mannes eigentlich kein Meer, sondern eine Badewanne. Ihm fehlen da einfach die Wellen und die Brandung. Aber wir wollten ja auch nicht schwimmen gehen. Nach dem heißen Sommer hätte man dennoch meinen können, das sei kein Problem, aber tatsächlich begann just an diesem Tag Ende August eine Schlechtwetterperiode. Dabei gilt Usedom als eine der sonnenreichsten Gegenden Deutschlands, weshalb die Insel auch als Sonneninsel bezeichnet wird. Für eine Erkundung mit dem Fahrrad war das Wetter aber gerade richtig.

Die Suche nach einem geeigneten Campingplatz gestaltete sich im Vorfeld gar nicht so einfach. Die Hauptsaison war noch nicht zu Ende und viele Plätze waren daher bereits ausgebucht. Andere wiederum nehmen überhaupt keine Reservierungen an – ein Spiel, auf das wir uns ungern einlassen wollten. Denn um nur zwei Tage zu bleiben, wollten wir nicht unsere Zeit damit verbringen, die 66 Kilometer lange Insel abzufahren auf der Suche nach einem freien Stellplatz.

Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf – die sogenannten „Kaiserdörfer“ im Osten der Insel, sind alte Seebäder aus dem späten 19. Jahrhundert. Dorthin wollten wir auf jeden Fall. Im Nachhinein bin ich froh, dass der Campingplatz in Heringsdorf nichts mehr frei hatte. Stattdessen landeten wir auf dem Campingplatz Stubbenfelde bei Loddin. Von dort aus sind es 16 Kilometer bis nach Ahlbeck, dem östlichsten der drei Seebäder – gerade richtig für eine kleine Radtour. Ins benachbarte Swinemünde (Świnoujście), das auf dem polnischen Teil der Insel liegt, wären es nur fünf Kilometer mehr gewesen. Auch das wäre also theoretisch machbar gewesen. Wir nahmen uns aber einen Besuch in Swinemünde für die Weiterfahrt mit dem Wohnmobil vor.

Die Seebrücke in Ahlbeck, erbaut 1898, ist die älteste in Deutschland
Die Seebrücke in Ahlbeck, erbaut 1898, ist die älteste in Deutschland

Der Campingplatz Stubbenfelde bei Loddin

Der Campingplatz Stubbenfelde liegt direkt am Waldrand und doch ganz nah am Meer – so etwas gibt es eben nur an der Ostsee – die übrigens hier tatsächlich etwas rauer scheint als im ehemaligen Westdeutschland. Zwischen Campingplatz und Strand verläuft der Küstenrad- und Wanderweg, der uns direkt in die weiter östlich gelegenen Seebäder bringt.

Der Wald duftet herrlich an diesem Morgen, nachdem es in der Nacht geregnet hat. Und das Meer schimmert blau in einiger Entfernung durch die Bäume, denn dieser Küstenabschnitt ist etwas steiler. Der Weg hat es in sich, und das nicht nur, weil er hier nicht asphaltiert ist: Bei Gefällen von bis zu 16 Prozent, werden Radfahrer gebeten, abzusteigen – aber wer will sich schon diesen Spaß entgehen lassen? Geht es um den gleichen Prozentsatz nach oben, stellt sich die Frage allerdings nicht, falls man nicht gerade über ein Mountain- oder E-Bike verfügt. Die Strecke ist gut ausgeschildert. Aber man tut gut daran, hier und da nach den Schildern Ausschau zu halten, denn der Weg nimmt manchmal überraschende Wendungen.

Bei Ückeritz führt der Weg durch eine kleine Shopping- und Gastromeile, die Dich zum Absteigen zwingt. Nun waren wir ja gerade erst losgefahren. Aber falls Du hier bereits eine längere Strecke hinter Dir hast, locken Dich vielleicht die Fischbuden.

Der nächste Streckenabschnitt ist asphaltiert und flach und führt über eine Länge von fast fünf Kilometern an einem langgezogenen Campingplatz vorbei. Hier können Dir allerdings auch Autofahrer begegnen, wenn auch theoretisch mit maximal 30 Stundenkilometern. Dann geht es noch einmal auf und ab durch den Wald und schließlich erreichen wir Bansin.

Frischer Fisch in Bansin

Hier stehen bereits einige nette Häuser und Villen an der Strandpromenade. Der Baustil dieser Seebäder, erbaut vom Ende des 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert wird übrigens Bäderarchitektur genannt und ist besonders in Mecklenburg-Vorpommern verbreitet. Gesehen habe ich solche Bauten schon auf Rügen. Es erinnert mich aber auch ein bisschen an die alten Seebäder in England und Frankreich.

In Bansin bekommt man schon eine erste Idee von der Bäderarchitektur
In Bansin bekommt man schon eine erste Idee von der Bäderarchitektur

Frischer Fisch wird überall angeboten, so wie hier bei Bansin
Frischer Fisch wird überall angeboten, so wie hier bei Bansin

Kommerz in Heringsdorf

Die drei „Kaiserdörfer“ gehen fast nahtlos ineinander über. Heringsdorf, das mittlere der drei Seebäder, ist allerdings der reinste Kulturschock. Hier herrscht uns eindeutig zu viel Touri-Rummel, und die neue Seebrücke ist ein einziger Konsumtempel. Bloß weg hier!

Die neue Seebrücke in Heringsdorf ist ein ziemlicher Konsumtempel, bietet aber einen schönen Blick auf den Strand
Die neue Seebrücke in Heringsdorf ist ein ziemlicher Konsumtempel, bietet aber einen schönen Blick auf den Strand

Villen in Ahlbeck

Als wir schließlich in Ahlbeck ankommen, wissen wir gleich: hier sind wir richtig! Die Villen an der Promenade sind hier am allerschönsten.

Die schönsten Villen stehen an der Promenade in Ahlbeck
Die schönsten Villen stehen an der Promenade in Ahlbeck

Wir kommen kaum voran, da ich alle paar Meter anhalten und ein Foto machen muss.

Mittlerweile sind wir auch hungrig, und da kommt uns Uwe’s Fischerhütte gerade recht. Matthias genießt seine Flunder mit Kartoffelsalat, und für mich gibt es zum Glück eine Currywurst mit Pommes frites.

Ganz ohne Fisch geht’s nicht in Uwe’s Fischerhütte – und wenn es nur die Form des Tellers ist!
Ganz ohne Fisch geht’s nicht in Uwe’s Fischerhütte – und wenn es nur die Form des Tellers ist!

Die Portionen sind üppig, und so machen wir uns mit vollem Bauch auf den Rückweg. Den finden wir dann aber gar nicht so anstrengend, wie wir befürchtet hatten. Vielleicht hat der gute Verdauungsschnaps aber auch unseren Geist beflügelt.

Wir lassen den Tag entspannt auf dem Campingplatz ausklingen. Mehr Aktivität muss nun wirklich nicht sein am ersten Urlaubstag! Um auch den nördlichen Teil der Insel mit den Seebädern Karlshagen, Trassenheide und Zinnowitz zu erkunden, hätten wir einen weiteren Tag benötigt.

Der Campingplatz Stubbenfelde liegt sehr naturnah
Der Campingplatz Stubbenfelde liegt sehr naturnah
Blick vom Strand auf die Häuser an der Promenade in Ahlbeck
Blick vom Strand auf die Häuser an der Promenade in Ahlbeck

Usedom, soviel steht fest, ist auf jeden Fall einen weiteren und ausführlicheren Besuch wert. Von Lüneburg aus ist man in knapp vier Stunden dort. Nach Sylt geht es kaum schneller, wenn man den Autoreisezug mit einkalkuliert. Und über das Preisniveau brauchen wir gar nicht zu reden. Aber dass die Insel den Namen „Sonneninsel“ verdient, das muss sie uns erst noch beweisen!


 Mehr zum Thema

    Hier habe ich übernachtet

Campingplatz Stubbenfelde
Waldstraße 12
17459 Seebad Stubbenfelde
Tel.  03 83 75-2 06 06

Der Campingplatz bietet nicht nur Stellplätze für Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte, sondern auch Blockhäuser, Bungalows, Ferienwohnungen und Zimmer. Das Preisniveau ist relativ hoch, aber die Ausstattung dafür auch hervorragend. Der Platz verfügt über einen Shop, in dem es morgens (auf Bestellung) frische Brötchen gibt, sowie ein Café & Bistro und ein Restaurant.

    Hier habe ich gegessen

Wir haben nicht im Restaurant, sondern im wenige Meter weiter gelegenen Imbiss gegessen.

Uwe’s Fischerhütte
Strandpromenade 12
17419 Seebad Ahlbeck
Tel. 03 83 78 – 2 81 99

Mein Name ist Ruth Heume. 1967 geboren am linken Niederrhein, hat es mich 2008 nach Hamburg verschlagen und von dort 2017 nach Lüneburg. Gefühlt war ich eigentlich schon immer Norddeutsche – mit rheinländischem Temperament. Nach 20 Jahren Zahlenkneten in einem großen Konzern begann ich 2013, mich neu zu orientieren und kam so auf Umwegen zum Schreiben. In Hamburg habe ich als freie Autorin für das Hamburger Wochenblatt über alle möglichen Themen aus meinem „Kiez“ Barmbek berichtet. Als ich begann, meine neue Heimat, die wunderschöne Salz- und Hansestadt Lüneburg zu erkunden, kam mir die Idee, daraus doch gleich ein Blog zu machen. Auf www.ichbineinlueneburger.blog erzähle ich davon. Ich möchte anderen Neu-Lüneburgern und Interessierten „meine“ Stadt informativ und humorvoll zugleich vorstellen. Meine Leser schätzen meine oft sehr persönliche Sichtweise, die mich von gewöhnlichen Reiseführern und touristischen Broschüren abhebt. Wie Heike reise ich gerne, allerdings nicht häufig genug, um damit ein Reiseblog zu füllen. Aber wenn ich einmal eine besondere Reise mache, juckt es mich geradezu in den Fingern, darüber zu schreiben. Daher bin ich froh, dass meine „alte“ Schulfreundin Heike mir die Gelegenheit gibt, meine Beiträge auf ihrem Reiseblog zu veröffentlichen. Denn mein Lüneburg-Blog soll ein Lüneburg-Blog bleiben.

3 Comments

  • vielweib

    Ja, sie ist eine Badewanne – aber eine wunderschöne! <3
    Ich liebe die Ostsee und zu schnell gingen die Jahre, dass ich in der Nähe gewohnt habe. Danke fürs virtuelle Mitnehmen nach Usedom. Es ist ewig her, dass ich dort war. Sollte mal wieder einen Besuch einplanen…
    LG Tanja

  • Bettina

    Danke für den schönen Beitrag über Usedom! Das letzte Mal waren wir im Winter dort, und dein Artikel macht richtig Lust auf einen Frühlings- oder Sommerbesuch!
    LG Bettina

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