Deutschland

Auf dem Autoreisezug nach Sylt

Lange Spaziergänge am breiten Sandstrand. Mal sanfte, mal stürmische Brandung. Danach ein leckeres Stück Kuchen in der Kupferkanne oder ein Weinchen in der Sansibar. So stellen sich viele Leute ihren Urlaub auf Sylt vor.

Und genauso sah mein Urlaub auf Sylt auch viele Jahre aus. Mit 8 Jahren bin ich mit meinen beiden Tanten das erste Mal auf die Insel Sylt gefahren.

Wenn wir morgens zum Strand gingen, gab es für mich immer eine Himbeermilch von der Milchbar auf der Strandstrasse.
Wenn wir morgens zum Strand gingen, gab es für mich immer eine Himbeermilch von der Milchbar auf der Strandstrasse.
Mit Schlaghose und Nordfrieslandflagge am Strand von Westerland
Mit Schlaghose und Nordfrieslandflagge am Strand von Westerland
Mit meinen beiden Tanten habe ich viele schöne Urlaube auf Sylt verbracht.
Mit meinen beiden Tanten habe ich viele schöne Urlaube auf Sylt verbracht.

Bis zu meinem Studium bin ich jedes Jahr mindestens einmal im Jahr auf meiner Lieblingsinsel gewesen. Mit Mitte 30 entfachte die Liebe erneut, und mit meinem Mann und meinem Bruder habe ich wieder tolle Urlaube auf Sylt verbracht.

Aber warum ist mein Feuer für die nordfriesische Insel irgendwann erloschen? Es hat mir einfach nicht mehr gefallen. In den bezaubernden Dörfer wie zum Beispiel in Wenningstedt entstanden in den letzen Jahren Ferienhäuser wie vom Fließband. Einheitsbrei, den ich auch in einemFerienpark bekomme. Alles sieht gleich aus. Es ist überfüllt, überteuert und das das Sylt Branding nicht auch noch auf dem Toilettenpapier zu finden ist, finde ich sehr erstaunlich. Sylt hat für mich seine Individualität verloren.

Vor kurzem war ich nach 5 Jahren zum ersten Mal wieder auf der Insel, wenn auch nur für einen Tag. Ein wenig gespannt bin ich schon, als wir auf den Autoreisezug fahren. Nach knapp 45 Minuten kommen wir in Westerland an, und mein erster Eindruck ist: hier hat sich ja gar nichts verändert.  Dieser Eindruck wird sich bald ändern.

Als erstes fahren wir zum Lister Hafen. Hier hat sich in den letzten Jahren nicht viel verändert. Außer das das Fischbrötchen bei Gosch deutlich kleiner geworden ist, als es noch vor 5 Jahren war. Aber es schmeckt immer noch genau so lecker!

Das Restaurant Gosch in List
Die nördlichste Fischbude der Welt einmal ganz leer. Ein Bild, das man im Sommer selten sieht

Nach einem Spaziergang in der Braderuper Heide möchten wir auf einen Apfelkuchen in die Kupferkanne einkehren. Leider ist das Café so voll, das wir weder drinnen noch draußen einen Platz bekommen. Vor uns verlässt eine Frau das Café und meint: „Also, das man keinen Platz mehr bekommt, das habe ich hier wirklich noch nie erlebt.“ So verlassen wir enttäuscht den Parkplatz und fahren weiter nach Wenningstedt.

Was soll ich zu Wenningstedt sagen. Ich bin wenig begeistert von der Veränderung an der Promenade. Wo ist der schöne alte Gosch geblieben? Hier hat sich wirklich alles verändert. Wie habe ich es geliebt, mit einem Fischbrötchen und einem Glas Wein an der Klippe zu sitzen und auf’s Meer zu schauen.

Die gute alte Strandpomenade gibt es leider nicht mehr
Die gute alte Strandpomenade gibt es leider nicht mehr

Jetzt steht hier so eine stylische Gosch Massenabfertigung. Nein, das ist nicht mehr meins. Es ist alles so groß geworden, und vor allem viel zu voll.

Nichts erinnert mehr an die gemütliche Promenade von einst
Nichts erinnert mehr an die gemütliche Promenade von einst

Die letzte Station unseres Sylt Tagesausflugs ist jetzt Westerland. Wir parken das Auto in der Nähe der Fußgängerzone. Hier hat sich erstaunlicherweise wenig verändert. Die Promenade am Ende der Fußgängerzone mit der Musikmuschel ist immer noch so wie vor 30 Jahren. Ich stehe am Gelände und denke an die vielen Jahre und schöne Stunden, die ich hier mit meiner Familie verbracht habe.

Strand, Meer, weiße Strandkörbe
Der Strand von Westerland, hier eine Aufnahme von 2004, hat sich in den letzen Jahren kaum verändert

Zurück auf dem Autoreisezug ziehe ich ein Fazit. Nein, der Funke ist auch nach 5 Jahren nicht wieder übergesprungen. Sylt hat für mich einfach zu viel von dem verloren, was es einst zu meiner Lieblingsinsel machte. Ich denke nicht, das ich hier noch einmal einen schönen Urlaub verbringen werde.

Ein paar Tage später bin ich auf Föhr. Und ich muss sagen, Föhr ist auf den ersten Eindruck deutlich schöner als Sylt. Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal.


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      Wie kommt man auf die Insel Sylt?

Sylt ist eine Insel. Es gibt zwar den Hindenburgdamm, aber den kann man nicht mit dem Auto befahren. Man wird mit einem Autoreisezug über den Damm gebracht. Alternativ kann man von der dänischen Insel Rømø mit der Fähre übersetzen. Ich persönlich finde, der Autoreisezug kostet zwar etwas mehr, geht aber schneller. Denn von Niebüll bis Rømø fährt man noch mal gut 45 Minuten länger.

Sylt Shuttle

Mit dem Autoreisezug, dem sogenannten Sylt Shuttle, ist man in gut 45 Minuten von Niebüll in Westerland. Der Sylt Shuttle kostet im Jahr 2016 für ein Auto inklusive Insassen 92 Euro. Wenn man Dienstags bis Donnerstags fährt, nur 79 Euro. Hier findet Ihr die genauen Fahrpreise und Fahrpläne.

Sylt Fähre

Von der dänischen Insel Rømø, die man über einen Damm erreicht, kann man mit der Fähre zur Insel Sylt übersetzen. Die Überfahrt dauert und kostet im Jahr 2016 79,50 Euro inklusive Personen. Die Website der Sylt Fähre mit genauen Preisen und Fahrplänen gibt es hier.

Hallo, ich bin Heike. Geboren bin ich am linken Niederrhein, wo ich zusammen mit meinem Mann Stefan lebe. Meine Reisen finanziere ich als freiberufliche IT-Beraterin, sitze also die meiste Zeit am Schreibtisch. Meine Leidenschaft gilt allem, was mich aus dem Haus bringt: dem Reisen, Tagesausflügen, Wochenend- und Städtetouren. Und wenn ich dann wieder zu Hause bin, teile ich meine Eindrücke darüber gerne mit euch auf meinem Reiseblog.

8 Comments

  • Vielweib

    Ich bin mit Sylt noch nie so richtig warm geworden. Es war schön, als ich noch in Nord Deutschland gewohnt hatte, hier hin Tagesausflüge öfters zu unternehmen. Sylt hätte auf jeden Fall schöne Ecken, aber begeistert hat es mich nie so richtig. Föhr und Amrum sind auf jeden Fall meine Lieblingsinseln in der Region. Freu mich auf Deinen nächsten Bericht. Liebe Grüße, Tanja

    • Heike

      Amrum finde ich zu klein und für meine Bedürfnisse zu langweilig. Ich finde, Amrum ist eine Insel für Familien mit Kindern, die sich am Strand austoben möchten. Ich mag es auch mal, an Schaufenstern vorbei zu bummelt und irgendwo einen leckeren Tee trinken zu können. Föhr dagegen hat mir auch ausgesprochen gut gefallen, auch wenn ich nur für einen Tag dort war.
      Liebe Grüße, Heike

  • Edda Janßen

    Ja, so war es früher. Heike konnte kaum abwarten, dass die Ferien anfingen, denn dann ging es los. Ihre Tanten, also meine Schwestern, freuten sich auch schon auf die „Göhre“. Die Begeisterung bei Heike für die Insel war riesig. Auch ich habe auf Sylt einige schöne Urlaube verbracht, aber mir gefällt es da nicht mehr. Das ist keine Adresse mehr für Gemütlichkeit, Ruhe und Entspannung.
    Lieben Gruß Deine Mum

  • Chris

    Hallo Heike …
    Was bei mir während der Lektüre Deines Berichtes ankommt:
    Abschied von einem schönen Traum aus Deiner Vergangenheit ….
    Eine Mischung aus Enttäuschung, ein wenig Schmerz und ziemlich viel Trauer … habe selbst Ähnliches erlebt – ich kann das also sehr gut nachvollziehen …

    Danke für diesen Bericht!

    Viele Grüße und bis bald.
    Chris

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