Ein windschiefes Fachwerkhaus
England

Lavenham – von Wollhandel und alten Fachwerkhäusern

Lavenham nennt sich selbst „the oldest recorded town in England“, die älteste urkundlich erwähnte Stadt Englands. Dieser malerische Ort gehört für mich eindeutig zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in Ostengland. Mein Reiseführer schreibt zu diesem Ort, das man ihn unbedingt gesehen haben muss. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Lavenham ist ein ganz bezaubernder kleiner Ort in East Anglia. Hier reiht sich ein Fachwerkhaus aus der Tudorzeit an das nächste.

Malerisches Ortseingangsschild von Lavenham, im Hintergrund der quadratische Kirchturm
Der Ortseingang des kleinen Örtchens Lavenham

Ich parke mein Auto auf dem großen Parkplatz am Ortseingang. Der Pub, der direkt neben der Einfahrt liegt, sieht schonmal sehr einladend aus. An den so typisch englischen Holzbank-Tisch-Kombinationen sitzen viele Menschen gemütlich in der Sonne und genießen ihr Bier. Aber ich möchte ja erst einmal den Ort erkunden. Einen ersten Überblick verschaffe ich mir auf dem Stadtplan am Parkplatz. Ja, der Ort ist total auf Touristen eingestellt. Ich habe aber Glück, und es ist trotz des schönen Sommerwetters nicht überlaufen.

Ein ganz schiefes altes englisches Fachwerkhaus in Lavenham
Eines von vielen alten Fachwerkhäusern in Lavenham, East Anglia

Im 15. Jahrhundert war Lavenham das Zentrum des Wollhandels in der Region. So wurde die Stadt eine der wohlhabendsten Städte in England. Das spiegelt sich auch heute noch in den alten Gebäuden wider. Das absolute Highlight des Ortes ist die Guildhall, das Gildehaus, aus dem Jahre 1592. Auf meinem Weg dorthin spaziere ich gemütlich die Sträßchen entlang und weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll.

Die Guildhall ist im typisch englischen Tudorstil gebaut
Die Guildhall ist im typisch englischen Tudorstil gebaut
Ein altes Fachwerkgebäude im typisch englischen Tudorstil
Der Eingang der 500 Jahre alten Guildhall in Lavenham

Natürlich darf auch ein schöner Tee nicht fehlen. Mit den Lavenham Blue Vintage Tea Rooms finde ich eine wirklich süße Teestube. Total knuffig, mit alten Möbeln und zusammengewürfeltem Geschirr. So etwas liebe ich ja. „Ich hätte gerne einen Cream Tea.“, bestelle ich. Also eine Kanne Tee, einen Scone, Marmelade und Clotted Cream. Womit ich nicht rechne ist die Rückfrage: ein normaler Scone, ein Scone mit Rosinen oder ein Scone mit Kokosraspeln. Mit Himbeer- oder Mangomarmelade. Ich entschließe micht für einen Kokosscone mit Mangomarmelade.

Scone, clotted cream, Marmelade und natürlich Tee gibt's auch in Lavenham
Cream Tea im Lavenham Blue Vintage Tea Rooms

Eine sehr gute Wahl, wie sich herausstellt. „Gleich gibt es nichts mehr zu essen. Ich hab für heute genug gespült!“, tönt es plötzlich aus der Küche. Die ganze Teestube lacht. Überhaupt ist die Atmosphäre hier total familiär und liebevoll. Schade, das ich mich nicht auch noch durch das Tortenbuffet naschen kann.

So gestärkt spaziere ich weiter durch Lavenham. Wie überall in England verzaubern mich auch hier wieder die tollen Rosen an den Häusern.

Wieder am Ortsausgang angekommen besuche ich noch die Kirche Sankt Peter und Paul, eine sogenannte Wollkirche. Was ist eine Wollkirche? Wie ich schon erzählt habe, ist Lavenham im 15. Jahrhundert durch den Wollhandel zu nicht unerheblichem Reichtum gekommen. Diesem Umstand verdankt der Ort eine ganz besonders prachtvolle Kirche. Im Inneren der Kirche ist es super hell. Erstaunt schaue ich mich um, um zu schauen wo das Licht herkommt. Dabei fällt mir auf, das die großen Fenster nicht wie in anderen Kirchen aus Buntglas gemacht sind. Dadurch wirkt der lichtdurchflutete Innenraum unglaublich ruhig und einladend.

Eine große, prachtvolle Kirche
Die „Wollkirche“ St. Peter und Paul verdankt ihre Größe und Ausstattung dem Wollhandel
Das lichtdurchflutete Kirchenschiff von St. Peter und Paul
Das lichtdurchflutete Kirchenschiff von St. Peter und Paul
Malerisches Ortseingangsschild, im Hintergrund der quadratische Kirchturm
Der Ortseingang des kleinen Örtchens Lavenham

Vor der Kirche liegt ein Friedhof mit ziemlich alten, teilweise halb verfallenen Gransteinen. Buchsbaumkugeln mit einem Durchmesser von 3 m stehen symmetrisch angeordnet über den Friedhof verteilt. Diese Kombination aus Grabsteinen und in Form geschnittenen Sträuchern wirkt auf mich irgendwie mysteisch.

Ich überquere die Straße und kehre in noch auf eine Cola in „meinem“ Pub ein, bevor ich mich auf die Weiterreise begebe. Mein Fazit: Der Reiseführer hat Recht gehabt. Wenn ihr in East Anglia unterwegs seid, dürft ihr diesen bezaubernden kleinen Ort auf keinen Fall verpassen.


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    Hier habe ich gegessen
Im Lavenham Blue Vintage Tearooms gibt es köstliche selbstgemachte Kuchen und natürlich auch Cream Tea.

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Die Homepage von Lavenham.

    Parken

Am Ortseingang gibt es einen großen Besucherparkplatz.

    Hier habe ich übernachtet

Ich habe in Colchester im Four Sevens Guesthouse B&B gewohnt. Colchester ist von Lavenham gut 30 Minuten entfernt.

    Übersichtskarte

Lavenham liegt in East Anglia, also in Ostengland.

Hallo, ich bin Heike. Geboren bin ich am linken Niederrhein, wo ich zusammen mit meinem Mann Stefan lebe. Meine Reisen finanziere ich als freiberufliche IT-Beraterin, sitze also die meiste Zeit am Schreibtisch. Meine Leidenschaft gilt allem, was mich aus dem Haus bringt: dem Reisen, Tagesausflügen, Wochenend- und Städtetouren. Und wenn ich dann wieder zu Hause bin, teile ich meine Eindrücke darüber gerne mit euch auf meinem Reiseblog.

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